Zurück an den Herd ist keine Option

Gleich vorweg will ich klarstellen, dass ich mich nicht auf Diskussionen einlasse, in denen mir unterstellt wird, ich würde Frauen verachten oder weniger wertschätzen wenn sie zuhause bleiben möchten. Jede Frau hat aus meiner Sicht theoretisch die Wahl, ob sie arbeiten gehen oder zuhause bleiben möchte wenn sie Kinder bekommt. Aber eben nur theoretisch.

Beides ist in unserer Gesellschaft mit einem Stigma belegt, dessen Absurdität aus meiner persönlichen Erfahrung vor allem von Frauen vorangetrieben und getragen wird. Die einen sind immer die Rabenmütter, weil sie nicht um 14.30 auf der Matte des Kindergartens stehen, sondern die Kinder eben erst um 16.30 oder 17 Uhr abholen und die anderen sind die faulen Mütter, weil sie erst gar nicht ins Büro gehen. Beides ist schlecht, nie kann man es überhaupt jemandem recht machen in dieser Hinsicht. Alleine, dass es so viel Emotion und Diskussionsbedarf rund um dieses Thema gibt, zeigt, dass wir noch lange nicht dort angekommen ist, wo eigentlich groß  „Wahlfreiheit“ draufstehen sollte. Vieles ist davon ökonomisch zu erklären und nicht nur reine Selbstverwirklichungspropaganda. So gibt es Frauen, die bleiben zuhause, weil sie so wenig verdienen, dass dies wahrscheinlich gerade mal die Kinderbetreuungskosten abdecken würde. Ein paar Zerquetschte bleiben übrig, aber in Wirklichkeit zahlt es sich für viele nicht aus. Auf der anderen Seite wäre Vollzeitarbeit zwar super, aber der Kindergarten macht um 17.30 zu und um 16.30 sind nur noch zwei Kinder da. Da muss man doch als Mutter ein schlechtes Gewissen haben – redet man uns zumindest seit Jahrzehnten ein.

Seit je her wird die Debatte um den „Platz“ der Frau so geführt, dass der Großteil der Frauen überhaupt nichts mitzureden hat und das Gros der Frauen durch ökonomischen Druck in die eine oder andere Richtung drangsaliert wird. Alleine die Debatte um die Väterkarenz zeigt auf, dass man die Frauen da ganz gut im Griff hat bzw. deren Wünschen und Forderungen nicht nachkommt, sonst würde man konsequenter vorgehen. Natürlich bleibt meist eher der zuhause, dessen Einkommen das niedrigere ist – denn auf dieses kann man eben eher verzichten. Das heißt: Frau bleibt zuhause bis ein Kinderbetreuungsplatz gefunden wird, das ist im Regelfall zwischen dem Kindesalter von 1 und 3 Jahren. Der Mann hat in dieser Zeit natürlich den Vorteil, seinen Job ungestört weiter machen zu können und seine Karriere voranzutreiben. Das liegt zum einen daran, dass Männer generell mehr verdienen und ein Ausgleich dahingehend wahrscheinlich auch das Missverhältnis zwischen Vätern und Müttern, die in Karenz gehen, ausgleichen könnte. Zum anderen wäre eine verpflichtende Väterkarenz unter bestimmten Bedingungen zumindest als Angebot ein  Zeichen, dass man es auf jeden Fall ermöglichen will, hier beide Elternteile in die Pflicht zu nehmen.

Dass für Frauen eine lange Karenz einen Karriereknick bedeutet, verstehen viele auch nicht. Das Argument mit dem „Kündigungsschutz“ wird immer wieder gebracht, aber ist aus meiner Sicht nicht wirklich gut, denn auch bei der Rückkehr in den Job hat man dann meist als Frau die Arschkarte namens „Teilzeit“ gezogen. In vielen Firmen wird Leuten, die früher nach Hause gehen, weil sie Kinderbetreuungspflichten haben, mit Augenrollen begegnet. Man kann bei vielem als Eltern nicht mitmachen, weil man nicht die Zeit hat, sich nur um den Beruf zu kümmern. Bei Müttern ist das nochmal viel viel stärker als bei Männern. Anders ist nicht zu erklären, warum 2018 Frauen immer noch die Vereinbarkeitsfrage gestellt wird und warum es auf Konferenzen, die hauptsächlich von Männern besucht werden, keine Kinderbetreuungsmöglichkeiten gibt oder warum man als Vater nicht gefragt wird, warum man um 18 Uhr immer noch im Büro sitzt, weil die armen Kinder.

Aber auch ohne Karrieregeilheit, wie man sie so oft den Frauen unterstellt, obwohl es bei Männern einfach nur „Arbeit“ heißt, ist es für Frauen ein Balanceakt, denn sie übernehmen – egal ob sie Teilzeit machen oder nicht – den Hauptteil der kostenlosen Arbeit. Kinderbetreuung, Altenpflege, Haushalt sind immer noch Bereiche, die zum allergrößten Teil von Frauen getragen werden.

Ich habe manchmal das Gefühl, dass Frauen viel mehr schultern als Männer. Und trotzdem dürfen sie nicht mitreden. Trotzdem dürfen sie nicht gleich viel verdienen. Trotzdem wird alles, was sie machen, kritisiert und hinterfragt. Aber am allerärgerlichsten ist es, dass man von der Politik gefrotzelt wird und die Politik einem zeigt: Wer viel verdient, dessen Kinder sind uns mehr wert. Alleinverdiener und Geringverdiener haben keine Kinder zu haben, deshalb fällt die Belohnung dafür zu klein aus. Ich sage deshalb: Die Option, Frauen zurück an den Herd, gibt es nicht. Wir müssen gemeinsam, solidarisch und mit Elan zeigen, dass wir nicht nur können sondern wollen. Und dass wir uns diese ungerechte Verteilung nicht mehr gefallen lassen.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.